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Downrigger
Mit der Anwendung von Downriggern, Planerboards und Tauchscheiben können beim Schleppfischen unterschiedliche Techniken eingesetzt werden, die alle auf ihre Art ein erfolgreiches Fischen ermöglichen. Viele Schleppangler setzen auf eine Kombination mehrerer oder aller Techniken da oftmals die unterschiedlichen Facetten jeder Technik das Schleppen so interessant machen. Welche Technik wann und wo eingesetzt wird ist aber auch von den Rahmenbedingungen abhängig wie z.B. den Witterungs- und Seegangsverhältnissen oder der befischten Wassertiefe. 

Die wohl aufwendigste und Kosten intensivste Technik ist die Anwendung von Downriggern, einem kranartigen Ausleger, mit dem ein bis zu 9 Kilo schweres Bleigewicht an einem Stahlseil in die Tiefe gelassen werden kann.



 Downrigger (Scotty Propack 1116)

 

Funktionsweise

Nachdem die Schnur mit dem Köder in relativ kurzer Distanz, i. d. R. 5 bis 15m, hinter dem Boot ausgebracht wurde, wird die Schnur über eine Auslöseklemme (Release-Clip) an dem Blei bzw. dem Stahlseil befestigt und anschließend das Blei auf die gewünschte Tiefe gebracht.

  

 

 Release-Clip (Scotty)

 Downrigger-Blei

 

Dann wird die Rute stark vorgespannt, so dass der Fisch bei einem Anbiss die Schnur aus der Auslöseklemme zieht sich selbst hakt und dann frei gedrillt werden kann. Für das Fischen mit Downriggern werden extra "Downriggerruten" zwischen 2,4 - 2,8 m Länge eingesetzt, die genügend Rückrat haben, um entsprechend vorgespannt zu werden.

   Downrigger Technik

Downrigger-Technik


Das Riggen der Ruten am Downrigger

 

Welchen Downrigger?

Es ist nicht leicht, sich für einen Downrigger zu entscheiden, denn es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Typen und Größen auf dem Markt – Kurzarm oder Langarm – manuelle oder elektrische. Wichtig ist, dass der Rigger für die eigenen Bedürfnisse passt! Grundsätzlich sollte der Downrigger zum Bootstyp, zur Art des Fischens, dem Budget und den persönlichen Vorlieben passen.

Hier ein paar grundsätzliche Anregungen, was man beim Kauf eines Downriggers berücksichtigen sollte:

Das Boot gibt mit seinen Eigenschaften wie Länge, Freibord, Platzangebot u. ä. die Wahl des Downriggers vor:

  • Kleine Boote (< 4,50 m) werden eher mit einem kleinen und kompakten Downrigger ausgestattet, der eine Armlänge von ca. 50 – 60 cm hat. In kleinen Booten kommt es sehr oft vor, dass im Sitzen gearbeitet wird und man sich nur schwerlich über die Bordwand lehnen kann. Daher ermöglichen Kurzarm-Modelle das einfache Erreichen des Bleis und somit das Riggen der Montage. Zu lange Rigger-Arme würden ein Herauslehnen aus dem Boot erfordern und können z.B. auch durch das von der Bordwand weiter entfernte Bleigewicht insbesondere bei Wellengang ein Sicherheitsrisiko darstellen.
  • Größere Boote (> 6,00 m) können i. d. R. ohne Problem mit größeren Riggern und Armlängen von bis zu 1,50 m ausgerüstet werden. Teils empfiehlt es sich sogar, damit man z.B. bei hohem Freibord das Downriggerblei von der Bordwand fernhalten kann, denn bei Seegang kann das Blei oberhalb der Wasseroberfläche unkontrolliert ins Schaukeln geraten und die Bordwand dabei beschädigen. Außerdem kann bei Kurzarm-Modellen und Kurvenfahrt das Downriggerseil schnell in die Nähe der Schraube gelangen. Langarm-Modelle sind daher auch – am richtigen Boot – ein Gewinn an Sicherheit! Welcher Downnrigger letzlich auch auf großen Booten verwendet wird hängt auch von der Frage ab, wie und wo gefischt werden soll und wie viele Downrigger am Boot angebracht werden. Will man mit zwei oder mehr Riggern fischen, so sind Langarm-Modelle zu empfehlen, so dass man z.B. jeweils einen Rigger an der Seite und je nach Bootsbreite mehrere am Heck fahren kann.
Downrigger Board Mounting System 
 (Quelle: www.scotty.com )
Je länger der Arm zur Seite gefahren werden kann, desto geringer ist auch die Gefahr, dass sich bei Kurvenfahrt die einzelnen Köder haken. Außerdem erlauben Langarm-Modelle eine sehr große befischte Fläche – mit zwei 60-inch Riggern (jeweils 150cm Armlänge) und bei einer Bootsbreite von 2,50 m kommt man so auf eine „Köderbreite“ von ca. 5,50 m.

Wichtig ist außerdem auch, wie der Downrigger gehandelt werden soll. In größeren Booten ist es i. d. R. der Fall, dass dieser im Stehen bedient wird. Bei kleinern Booten eher sitzend. Außerdem gibt es Rigger, die besser von einer bestimmten Seite oder entweder mit der linken oder der rechten Hand zu bedienen sind. Das sollte beim Kauf bedacht werden.

Welche "Downrigger-Marke" man wählt, ist wieder einmal eine Frage des Geschmacks aber auch der Qualiät der angbotenen Produkte. In Deutschland sind besonders die Downrigger der Hersteller Scotty und Cannon sehr beliebt. Unseres Erachtens spricht zur Zeit aber einiges für die Anschaffung von Scotty-Downriggern: sie sind i. d. R. etwas günstiger als die Cannon und - betrachten wir die elektrischen Rigger - die Scottys verbrauchen etwas weniger Strom. Zudem sind in der letzten Zeit immer wieder Probleme z.B. mit den Spulen der Cannon-Rigger aufgetreten. Somit haben wir uns für das Scotty Propack 1116 entschieden, ein Downrigger, mit dem wir bisher sehr zufrieden sind.

Hersteller und Modellbeispiele 

 

 Gold Tournament

http://www.bigjon.com/home/home.asp

 

 Mag 20 DT 

 


 

 

 Nautilus 

 

 

 

 

 

 Fisherman's Choice 

 

 

 

 

 

 625 NW 

 

 

 

 

 

1116 Propack 

 

 

 

 

 

  Heavy Metal Series (HMS2S)

 

 

 

 

 C-TOURN-BL

 

 

 

Elektrisch vs. manuell
Verschiedene Dinge sollte man bei der Frage nach elektrischem oder manuellem Downrigger bedenken.

  • Die Anwendung von elektrischen Riggern ist sehr bequem und komfortabel. Man drückt auf einen Knopf und das bis zu 9 kg schwere Blei wird automatisch nach oben gezogen, ohne dass man sich eine Zerrung im Latissimus einfängt. Aber wie auch immer: elektrische Downrigger sind i. d. R. gleichzeitig eher große Downrigger mit relativ langem Ausleger, der (wie oben schon beschrieben) nur an größeren Booten Verwendung finden sollte.
  • Es gibt aber auch Umstände, die einen elektrischen Downrigger wirklich empfehlenswert machen: Wird in großen Tiefen gefischt wie z.B. in den skandinavischen Lachs-Revieren, so wird i. d. R. auch mit schweren Bleigewichten hantiert, da bei geringen Gewichten, das DR-Seil sehr weit nach Hinten ausscheren würde. Versucht man z.B. ein 9 kg schweres Blei aus einer Tiefe von 200 Ft. mit der Hand hoch zu kurbeln, kann das an einem langen Angeltag sehr ermüdend sein. Fischt man hingegen eher in geringeren Tiefen, was bei uns in der deutschen Ostsee meistens der Fall ist, so reichen manuelle Downrigger vollkommen aus.
  • Manuelle Downrigger sind i. d. R. wesentlich mobiler und lassen sich auch an kleineren Booten z.B. nur für kurze Zeit anbringen. Zudem benötigt man keine aufwendige elektrische Installation.
  • Schließlich muss der Betrieb eines elektrischen Downriggers technisch möglich und zudem auch elektronisch entsprechend abgesichert sein. (Scotty-E-Downrigger z.B. ziehen max. 11 Ampere und werden mit ca. 16 A-Sicherungen bestückt, die Kabel sollten hierbei mindestens einen Querschnitt von 2,5 qmm haben). Zudem ist beim Betrieb von elektrischen Downriggern sowie auch anderer Verbraucher wie Kartenplotter oder Autopilot der Betrieb einer zweiten Batterie dringend zu empfehlen (1 Starterbatterie und 1 Verbraucherbatterie).


Anbringen der Downrigger am Boot

Als aller erstes sollte klar sein, dass die Downrigger so am Boot angebracht werden müssen, dass das Downriggerseil auch bei Kurvenfahrt nicht mit dem Motor bzw. den Motoren in Kontakt kommt. Bei Innenbordern ist dieser Problem weniger gegeben als bei Außenbordern, denn letztere ragen wesentlich weiter über das Heck hinaus, so dass schnell die Gefahr besteht, dass gerade bei scharfen Kurven – z.B. während eines Ausweichmanövers – das Riggerseil in die Nähe der Schraube gelangt. Damit das nicht passiert, sollte der Standort des Downriggers ausprobiert werden. Das lässt sich am Besten auf dem Trockenen machen: Steht das Boot auf dem Trailer wird der Rigger an dem avisierten Platz festgehalten und ein Partner bewegt das Seil z.B. in einem Winkel von 45° und bewegt sich hinter/ unter dem Boot zur Bootsmitte und simuliert so eine scharfe Kurvenfahrt. Nun kann der Rigger soweit an der Bordwand bzw. Rehling nach Vorne oder hinten bewegt werden, um den optimalen Platz in geeigneter Entfernung zum Motor zu finden. Wie schon beschrieben, vereinfachen Downrigger mit langem Ausleger (bis zu 1,50 m) die Suche nach dem richtigen Platz. Denn hierdurch kann man sich seitlich oder hinter dem Boot entsprechend weit von der Bootswand und dem Motor fern halten.

Es ist wichtig, die Downrigger so zu installieren, dass man sie mit der gewünschten Hand und ohne durch z.B. andere Aufbauten gestört zu werden bedienen kann. Die meisten Downrigger sind mit einer Grundplatte versehen, die permanent am Boot verbleibt während der Rigger selbst mit ein paar Handgriffen vom Boot entfernt werden kann. Befestigungsmethoden variieren je nach Größe und Typ des Bootes. Für größere Boote aus Kunststoff oder Holz gibt es drei grundsätzliche Methoden: die horizontale, die vertikale und die Rehlingsbefestigung. Wenn das Boot an der anvisierten Stelle eine ebene Fläche hat, so kann die Grundplatte i. d. R. direkt durch das Gelcoat geschraubt und auf der Rückseite entsprechend gek9ontert werden. Hierbei sollte sichergestellt werden, dass die Bootswand stark genug ist, um bei Bewegungen des Downriggers auch mit schweren Bleigewichten nicht zerstört wird. Daher empfiehlt es sich, immer unter die Grundplatte eine Konterplatte z.B. aus Holz oder Kunststoff zu schrauben. 

 
 
 

 

Scotty Relinghalterungen
(Quelle: www.scotty.com)

 

Die wohl gängigste Art der horizontalen Befestigung ist eine sog. „Swivel Base“, die es erlaubt, den Rigger zu drehen. Somit kann mit einem Downrigger, der an der hinteren Ecke des Bootes angebracht ist, sowohl auf der Seite als auch über das Heck hinaus gefischt werden. Viele Schleppfischer fahren ihre Rigger auf den Bootsseiten, was aber z.B. bei der Landung eines Fisches Probleme machen kann. Lässt sich der Downrigger während des Drills nach Hinten drehen, so lässt sich der Fisch hervorragend an der Seite landen. Die Scotty Swivels z. B. haben 16 verschiedene Einstellungsmöglichkeiten.

Bietet das Boot keine geeignete horizontale Fläche, so besteht vielleicht die Möglichkeit einer vertikalen Befestigung. Hierzu bietet z.B. Scotty eine Base an, die in einem rechten Winkel angelegt ist und somit aus der vertikalen Position eine horizontale Befestigungsmöglichkeit macht. Eine sehr verbreitete Befestigungsart ist die an der Bootsreling.

Einige Boote haben in die Bootswand eingelassene Rutenhalter. Diese ermöglichen eine weitere Art der Downriggerinstallation: den “Gimbal Mount”. An der Grundplatte ist ein Rohr befestigt, welches in den Rutenhalter eingeschoben wird. Das hat den Vorteil, dass der Downrigger sehr schnell vom Boot entfernt werden kann. Hierbei ist aber sicher zu stellen, dass die eingebauten Rutenhalter kräftig genug sind und ob diese eine entsprechende Passform haben. 

 DR-Installation auf der Reling mit Edelstahlgrundplatte

An vielen Booten lassen sich Downrigger aus unterschiedlichen Gründen nur mit Kompromissen direkt ans Boot anbringen. In solchen Fällen empfiehlt es sich, eine Trollingbar am Boot zu installieren, auf der die Downrigger dann an der gewünschten Position angebracht werden können. An unserem Boot haben wir auf der umlaufenden Reling vier Edelstahl-Grundplatten in der Größe 20 x 30 cm angebracht, auf der die Grundplatten für die Downrigger angeschraubt wurden. 

 

Fischen mit Downriggern

Einstellung der Bremse

Beim Ausbringen der Schnur und des Köders sollte die Bremse der Rolle so eingestellt sein, dass mit Ablassen des Bleis, die Schnur gleichmäßig von der Rolle gezogen wird. Ist die Bremse zu fest, wird die Schnur ruckartig abgezogen, wodurch diese ungewollt aus dem Clip gezogen werden kann. Ist die Bremse zu weich eingestellt, so kann es passieren, dass sich auf der Rolle ein Vogelnest aus Schnur bildet. Die optimale Einstellung ist dann gefunden, wenn die Schnur mit soviel Widerstand von der Rolle läuft, dass der Schnurbogen zwischen Rute und Release-Clip minimiert wird. Dieser ungewollte Bogen entsteht durch den Wasserdruck, der durch die Schleppfahrt auf die Schnur im Wasser wirkt. Es ist ratsam, vor dem Herunterlassen des Bleis, die Rutenringe und Schnur auf mögliche Verwicklungen zu kontrollieren. Dies ist wohl der häufigste Grund für das vorzeitige Auslösen der Schnur aus dem Clip und wohl auch ein Grund für die zunehmende Verwendung von „Inliner-Ruten“ am Downrigger. Ist das Blei und der Köder in die gewünschte Tiefe gebracht, so sollte die Bremse so eingestellt werden, dass von der Rolle auch bei maximaler Spannung der Rute keine Schnur abgezogen werden kann.


Spannung der Rute und Schnur

Beißt ein Fisch an und löst damit die Schnur aus dem Clip, so besteht die Gefahr, dass wegen der Dehnung der Schnur und dem Schnurbogen zwischen Rute und Clip, kein unmittelbarer Kontakt zur Rute besteht und die Schnur nicht ausreichend gespannt ist. Hierbei kann es passieren, dass der Fisch nicht richtig gehakt wird. Dieses Problem kann man dadurch mindern, indem eine Schnur mit nicht zu großer Dehnung verwendet und die Rute entsprechend stark vorgespannt wird. So kann nach Auslösen der Schnur schneller der Kontakt zum Fisch hergestellt werden. Um dieses zu ermöglichen, sollte die Rute in einem Winkel von ungefähr 45° gestellt werden. Wird sie steiler oder flacher gestellt, so kann die typische Aktion der Downriggerrute nicht voll arbeiten und der Fisch wird schlechter geharkt. Außerdem fängt die Schnur weniger Kraut (und beim Sommertrolling auch Quallen), wenn sie das Wasser sozusagen schneidet.


Anbiss kleinerer Fische

Insbesondere kleine Fische schaffen es oftmals aber nicht, nach dem Anbiss die Schnur aus dem Clip zu ziehen. Daher ist es ratsam ständig die Spitze der Downriggerruten im Blick zu haben. Beißt ein kleiner Fisch an, so zieht dieser an dem Clip und verursacht damit ein leichtes Wippen oder Zucken in der Rutenspitze. Besonders kleine Dorsche aber auch Meerforellen sind oft nur in der Anbissphase und kurz danach zu erkennen. Verpasst man diesen Moment, so kann es sein, dass man den Fisch unbemerkt hinter dem Boot herschleppt. – und das tut dem Fisch nicht gut und auch nicht unseren Fangaussichten. Die im Handel erhältlichen Release-Clips haben meistens kurze Verbindungsschnüre, über die sie am Blei oder Downriggerseil befestigt werden. Wir fischen mit Clip-Schnüren von ca. 60 – 80 cm. Dadurch wird auch der Anbiss kleinerer Fische besser an der Rutenspitze sichtbar. Hierzu verwenden wir 80er oder 90er Monofil, welches mit Klemmhülsen an dem Clip befestigt wird (altes Band von einem Rasentrimmer tut es auch!).


Grundkontakt

Die meisten Schleppangler verwenden beim Fischen mit Downriggern gleichzeitig ein Echolot, welches die Tiefe und die Topographie des Meeresbodens anzeigt. Ohne Echolot ist der Grundkontakt mit dem Blei nur eine Frage der Zeit. Aber auch mit Echolot kann es bei Unachtsamkeit oder sehr raschem Wechsel der Wassertiefe zu Bodentontakt kommen. Ein solcher ist deutlich durch die ruckartigen Bewegungen in der Rute zu erkennen und lässt sich meistens durch einige Umdrehungen an der Spule wieder aufheben. Bleibt das Blei am Boden hängen, so hilft nur ein sofortiges Aufstoppen des Bootes, um den Verlust des Bleis oder im schlimmsten Fall des Downriggers samt Rehling zu verhindern. Es kommt auch immer wieder vor, dass das Blei bei Unachtsamkeit in einem Netz der Berufs- oder Nebenerwerbsfischen hängen bleibt. Passiert das, so muss je nach Fall entschieden werden, ob es möglich ist, das Blei ohne Beschädigung der Netze zu lösen. Ist das nicht möglich, so bleibt nur ein Durchtrennen des DR-Seils, denn Schäden an Netzen sind Sachbeschädigung und führen nur dazu, dass das Verhältnis zwischen Berufsfischern und Schleppanglern nachhaltig verschlechtert wird.


Downriggergewichte

Die meisten Angler sind wohl die Verwendung von Bleien im Grammbereich gewohnt. Daher erschrecken viele Trollingneulinge, wenn sie ein 5 kg schweres Downriggerblei an ihre Rute hängen sollen. Aber glücklicherweise ist es ja so, dass wir die Rute an das Blei hängen und demnach von diesem Gewicht nichts auf der Rute und Rolle lastet.

Das verwendete Gewicht hängt in erster Linie ab von der Schleppgeschwindigkeit, der Tiefe, in der gefischt wird und ob Dodger oder Flasher verwendet werden wird. Denn der Wasserdruck, der auf das Dowriggerseil wirkt, nimmt mit zunehmender Tiefe und Länge des Seils, größerer Geschwindigkeit und bei der Anwendung von Flashern und Dodgern zu. Dadurch kann das Blei nicht mehr senkrecht unter dem Boot gehalten werden sondern wandert nach Hinten aus (Swingback-Effekt). Je tiefer und schneller geschleppt wird, desto schwerer sollte also das DR-Gewicht sein. So besteht die geringste Gefahr, dass sich die Köder z.B. bei der Anwendung von mehreren Downriggern und bei Kurvenfahrt berühren oder sogar das DR-Seil in die Nähe der Schraube gelangt.

Mit zunehmendem Winkel des Seils zur Wasseroberfläche wird auch die Tiefenanzeige am Downrigger ungenauer.

 

 Swingback am Downrigger 

 

Die folgende Tabelle zeigt den Einfluss der Schleppgeschwindigkeit auf den Winkel des DR-Seils und die wahre Tiefe (Gewicht 5 kg; Anfangstiefe = ausgebrachte Seillänge von 200 Ft).

SchleppfahrtWinkel des Seils  Wahre Tiefe
 1 mph 12° 198'
 2 mph 40° 181'
 3 mph 62° 144'
 4 mph 73° 109'
 5 mph 79° 84'
 6 mph 82° 66'
 7 mph 84° 54'
 8 mph 85° 45'
 9 mph 86° 38'
 10 mph 86° 34'

Bei sehr kaltem Wasser oder grundsätzlich beim Schleppen mit Naturködern ist die Schleppgeschwindigkeit i. d. R. eher langsam, so dass bei einer Fahrt von 1,0 mph und Wassertiefen bis 200 Ft. ein Gewicht von 3 - 4 kg vollkommen ausreicht.

Folgende Tabellen zeigen Richtwerte für DR-Gewichte bei langsamer bzw. schneller Schleppfahrt:

 Counter-AnzeigeEmpfohlenes Gewicht
 Winkel des Seils Wahre Tiefe
 20 feet 4 lbs  19.9'
 40 feet 4 lbs  39'
 60 feet 4 lbs  59'
 80 feet 7 lbs  79'
 100 feet 7 lbs  99'
 200 feet 7 lbs 16° 197'

Schleppgeschwindigkeit: 1,0 mph; 1 lb = ca. 444 g 

Ist das Wasser wärmer (> 3-4°C) werden insbesondere Kunstköder schneller gefahren. Die Tabelle zeigt, dass bei einer Schleppgeschwindigkeit von 3 mph (ca. 2,8 kn) ab einer Tiefe von > 60 Ft. Gewichte ab 5 kg zu empfehlen sind. Will man den dargestellten Winkel des DR-Seils verringern, so sollten die Gewichte dementsprechend erhöht werden. Unseres Erachtens sollte der Winkel unter 20° gehalten werden.

Counter-AnzeigeEmpfohlenes GewichtWinkel des SeilsWahre Tiefe
 20 feet 7 lbs 20° 19'
 40 feet 7 lbs 31° 37'
 60 feet 7 lbs 41° 54'
 80 feet 10 lbs >39° 72'
 100 feet 10 lbs 45° 87'
 150 feet 12 lbs 40° 126'
 200 feet 15 lbs 44° 164
Schleppgeschwindigkeit: 3 mph; 1 lb = ca. 444 g
(Quelle: www.barrysbait.com)

In der deutschen Ostsee mit befischten Tiefen von max. 20 m reichen i. d. R. 5 kg-Gewichte aus. Fischt man wie z.B. in den skandinavischen Revieren in Tiefen bis 200 Ft., so sind Gewichte von 7 – 9 kg zu empfehlen.

Neben dem Gewicht der Bleie bietet der Markt auch verschiedene Formen und Modelle: Bleikugeln, solche in Torpedo- oder Fischform, mit Finne oder ohne Finne, mit glatter oder rauer Oberfläche…

 

Kugelform - mit Heckflosse gegen Verdrehungen – eher für langsame Schleppgeschwindigkeiten und Schlepptiefen von 10 – 15 m.

 

Scheibenform - mit verkürzter Heckflosse sollen Wackelbewegungen auf den Köder übertragen werden.

  Torpedoform - geringer Wasserwiderstand und die Finne sorgt für einen geraden und ruhigen Lauf. Die Torpedoform wird in den USA viel gefischt ist aber in Deutschland schwer erhältlich.
 

Fischform - läuft durch seine schlanke, strömungsgünstige Form fast senkrecht hinter dem Boot. Seitliche Flossen stabilisieren das Blei zusätzlich.

 

Schwedenform - für große Tiefen. Läuft durch seine super schlanke Form und lange Heckflosse aus Edelstahl äußerst stabil und sehr nahe am Boot.

 
Shark Cannonball - durch die „Hammerschlag-Oberfläche“ und daraus resultierende Verstärkung von Schwingungen und Geräuschen im Wasser soll dieses Blei eine zusätzliche „Attractor-Wirkung“ haben. www.sharkcannonballs.com

Shark Cannonball Downriggerblei

Grundsätzlich sollte man das günstigste Blei nehmen, welches für die eigenen Bedürfnisse geeignet ist. Eine Finne/ Flosse ist aber dringend zu empfehlen, da sonst das Blei verdreht. Das ist besonders wichtig, wenn der Release-Clip direkt am Blei befestigt wird. Wir fischen in der heimischen Ostsee die Fischform mit 5,4 kg und in Skandinavien in größeren Tiefen die Schwedenform mit 6,8 kg.

Gerade bei der Verwendung von schwereren Bleien und langen Auslegern sind verschiedene Zubehörartikel sinnvoll.

Trolling-Snubber

Zum einen sollte zwischen Blei und Draht ein sog. Schockabsorber oder „Trolling Snubber“ geschaltet werden. Dadurch wird verhindert, dass Stöße, die bedingt durch den Seegang auf das Boot einwirken, sich bis zum Blei-Gewicht am Downrigger fortsetzen und somit zum Abriss führen. Aber auch Stöße durch Grundberührung werden absorbiert, um Verluste zu vermeiden. Wer sich das Teil nicht kaufen möchte, der ist auch mit starken Gummis gut beraten, wie sie z.B. im Campingbedarf oder zur Befestigung von Anhängerplanen verwendet werden.

 

Rückholleinen (Retriever) 

Außerdem sollte das Blei beim Riggen mit Hilfe von Rückholleinen herangezogen werden, denn es kann recht abenteuerlich sein, wenn man sich bei einem Ausleger von 1,50 m Länge weit über die Bordwand lehnt, um z.B. die Schnur in einen Clip zu hängen.

 

Bleihalter

 Zum Transport der Bleie während der Fahrt: insbesondere bei starkem Seegang kann es passieren, dass die Bleie unkontrolliert durch das Boot rollen und somit das Boot beschädigen können. Bleie in Fisch- oder Kugelform lassen sich hervorragend in sog. „Ball Babies“ fixieren. Diese werden z.B. auf der Trollingbar angeschraubt und die Bleie darin mit Hilfe z.B. eines Klettbandes gehalten. Andere Bleie lassen sich an Bord gut in mit Wasser gefüllten Eimern transportieren.

 

Scotty-Autostopper 

 Bei der Verwendung von Elektrodownriggern der Marke Scotty ist die Anwendung von sog. Autostoppern zu empfehlen. Dieses sind Kunststoffstopper, die am Dowriggerseil angebracht werden und beim Einholen des Bleis die Autostopfunktion des Riggersan der gewünschten Stelle  aktivieren.

 

Stackern 

Der Begriff Stackern kommt aus dem Englischen und bedeutet aufstapeln oder aufstellen. Der Begriff ist soweit eingedeutscht, dass kein Mensch mehr „stäckern“ sagt (wie es der Richtigkeit halber ausgesprochen werden müsste) sondern halt „Stackern“. Stackern bedeutet, dass mehr als eine Angelschnur an einem Downriggerseil befestigt werden.  Stackerklemme mit ClipEin Release-Clip wird per Wirbel direkt an das Blei gehängt oder aber alternativ kurz über dem Blei mit Hilfe einer Stacker-Klemme in das DR-Seil eingehängt. Nachdem der Köder in der gewünschten Entfernung hinter dem Boot ausgelassen wurde, wird die Angelschnur in den Clip gehängt und soweit herabgelassen, wie später der Tiefen-Abstand der jeweiligen Angelschnüre haben soll (üblich sind ca. 15 – 20 Ft.). Nun setze ich mit einer Stackerklemme den zweiten Clip, lasse an einer zweiten Rute Schnur mit Köder aus und hake die Schnur in den zweiten Clip ein. Nun geht’s wieder auf Tiefe. Diese Prozedur kann man je nach Wassertiefe beliebig oft wiederholen, um weitere Köder auszubringen. Im Extremfall lassen sich so wohl bis zu vier Ruten an einem Downrigger fahren – i. d. R. werden aber nicht mehr als zwei bis drei Ruten pro Rigger eingesetzt.

 

Zwei gestackerte Ruten – jede an einem Release-Clip

Dieses Stackersystem ermöglicht es, die Köder auf unterschiedlichen Tiefen anzubieten, was die Suche nach dem Fisch erheblich vereinfacht. So kann man z.B. beim Lachsangeln in Wassertiefen von bis zu 70m mit vier Downrigger folgendes Setup aufstellen: 

 

Downrigger 1

Seite links

Downrigger 2

Heck links

Downrigger 3

Heck rechts

Downrigger 4

Seite rechts

Rute

1

2

3

4

5

6

7

8

Ködertiefe

80 ft

100 ft

160 ft

180 ft

140 ft

120 ft

60 ft

40 ft

Wichtig ist, dass beim Ausrichten der Ruten jeweils an jeder Seite des Downriggers eine Rute platziert wird – vorausgesetzt, man fischt „nur“ mit zwei Ruten an einem Rigger!

Beißt ein Fisch an, so sollte man zunächst versuchen, andere Köder in die Fangtiefe zu bringen.

Neben dem Stackern von mehreren Ruten an einem Downrigger besteht auch noch die Möglichkeit an einer Rute und einer Rolle mehrere Köder mittels Stacker-Release-Clips an dem Downriggerseil zu befestigen. Hierbei wird wieder die Hauptschnur mit dem ersten Köder am Ende in die Tiefe gesetzt, die später dem Abstand beider Clips voneinander entspricht (i. d. R. 15 – 20 Ft.). Dann wird ein zweiter Clip gesetzt und die Hauptschnur etwas locker gelassen, so dass sich durch den Wasserdruck ein Schnurbogen bildet. In diesen wird nun mit Hilfe eines Wirbels eine zweite „Mundschnur“ mit einem weiteren Köder auf die Hauptschnur gesetzt. Beißt nun ein Fisch an, so löst er aus beiden Clips aus und egal welcher Köder genommen wurde, wandert die frei auf der Schnur gleitende Mundschnur zum Ende der Hauptschnur.

Zwei gestackerte Köder an einer Rute

 

Noch ein paar Tipps für das Stackern:

Man sollte immer mit ähnlichen Ködern stackern, da unterschiedliche Köder durch ihr unterschiedliches Laufverhalten eher dazu neigen, Verwicklungen miteinander „einzugehen“ (z.B. Blinker und Wobbler!).

Man sollte beim Ablassen des Bleis an allen Ruten die Knarre an der Rolle einschalten und die Bremse so einstellen, dass die Schnur an allen Rollen gleichmäßig ablaufen kann.


Köderdistanz vom Boot

Wie weit soll der Köder hinter dem Boot ausgelassen werden? Diese Frage wird auch von sehr erfahrenen Trollinganglern unterschiedlich beantwortet. Sicher läuft der Köder an kurzer Leine "kraftvoller" und die Kontrolle ist besser. Zudem wird die Anwendung besonders von Dodgern bei langer Leine schwierig, da diese dann unkontrolliert geführt werden. Außerdem sollte man bedenken: je länger die Schnur ausgebracht wird, desto schlechter kann der Fisch durch die Schnurdehnung beim Anbiss und Hochschnellen der Rute gehakt werden. Doch besonders über flachem Wasser (z.B.10m) kann das Boot auch eine erhebliche Scheuchwirkung auf die Fische haben, so dass dann gerne mit längeren Leine hinter dem Clip gefischt wird. Die Entscheidung sollte sich schließlich an Rahmenbedingungen orientieren wie der Sichtigkeit des Wassers, dem Zielfisch, der befischten Wassertiefe, der Sichtbarkeit der Angelschnur und schließlich auch der Frage, ob gestackert wird.

 

Beispiel für die Entfernung des Köders hinter dem Boot
 

Letzteres ist wichtig, denn auch hier wird sehr unterschiedlich gefischt. Wir fahren meistens die oberen Schnüre länger als die unteren - Beispiel beim Lachsangeln mit drei Ruten am DR: oben 9m, Mitte 6m, unten 3m. Doch auch beim Meerforellenfischen in der eher flachen deutschen Ostsee fischen wir die oberen Schnüre ca. 10 m hinter dem Boot. Der Grund ist, dass wir die Scheuchwirkung des Bootes reduzieren möchten. Außerdem kann man sich gut vorstellen, dass unser Zielfisch, angelockt durch einen tief laufenden Flasher, diesen passieren lässt, ebenso den Köder darüber bzw. dahinter und sich erst beim zweiten bzw. dritten Köder, die höher und länger laufen, zum Anbiss entscheidet.


Dodger und Flasher

Flasher und Dodger sind Reizbleche, die entweder zwischen dem Vorfach und der Hauptschnur gesetzt werden oder aber als so genannte "Falsche Flasher" z.B. hinter dem Downriggerblei. In der Regel werden die Lockbleche eher im Zusammenhang mit Downriggern gefischt. Kleinere Reizer lassen sich aber auch an Planersystemen oder hinter Tauchscheiben fahren. Näheres zu Dodgern und Flashern erfahrt ihr hier .


Lockstoffe

Besonders in den USA sehr weit verbreitet ist der Einsatz von Lockstoffen wie Anchovy- oder Shrimpessenzen. Diese werden über verschiedene Reservoirs in die Nähe des Köders gebracht. So kann man z.B. beim Einsatz von Snubbern kleine Löcher in diese bohren und dort die gewünschten Essenzen einfüllen. Diese sollen dann eine zusätzliche Lockwirkung haben.

Interessant ist auch ein Produkt, welches von John Keizer und Tom Nelson von der amerikanischen Salmon University entwickelt wurde, der Salmon Scenter™.

 
 

 Locksack am DR-Blei

 Der Salmon Center
(Quelle: http://salmonuniversity.com)

Letzte Aktualisierung ( Thursday, 21. June 2007 )
 
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