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Keschern - aber wie?
Wednesday, 4. July 2007

 Hoffentlich geht das gut!

Wer kennt das nicht? Da freut man sich wie ein Schneekönig darüber, dass da endlich ein größerer Fisch an der Leine hängt und dann mischt sich, je näher der Fisch dem Boot kommt, ein ungutes Gefühl unter die Euphorie: "Man, hoffentlich kriege ich den gelandet. Und hoffentlich baut mein Kumpel beim Landen keinen Scheiß!" Und der nach Angstschweiß riechende Kumpel stellt sich dann die Frage: "Wie landet man einen Fisch eigentlich "richtig"?

Vorab: Jeder hat so seine eigene Methode, Fische ins Boot zu bekommen. Aber es kann nicht schaden, sich einmal ein paar Gedanken um die "optimale" Landung eines Fisches zu machen.

In der Regel ist es kein Problem, kleinere Fische ins Boot zu kriegen. Doch was ist, wenn man einen echten Lorbas am Haken hat? Vor dem zufriedenen Freudenschrei steht dann noch eine nicht ungefährliche, möglichst wohlgeplante Landung. Es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres für einen leidenschaftlichen Angler, als den Fisch des Lebens zwar vor Augen aber nicht gelandet zu haben. Nur wenn man weiß, wie ein großer Fisch sicher gelandet wird, kann man die wenigen Chancen, die sich einem hierzu bieten, optimal nutzen.

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, den Drill kapitaler Fische erfolgreich abzuschließen: Die Landung mit dem Gaff, die mit dem Kescher und die mit der Hand. Die Landung mit der Hand entfällt auf dem Boot in der Regel. Das Gaffen eines Fisches hat in meinen Augen etwas Barbarisches. Ich fand es schon immer befremdlich, wenn früher auf den Angekuttern den Dorschen mit den Mörderhaken daumengroße Löcher ins Kreuz gerissen wurden - auch wenn nicht zu leugnen ist, dass der Haken im Maul auch seine Löcher hinterlässt. Aber sei's drum. Für die meisten Bootsangler in der westlichen Ostsee wird das Keschern eines Fisches die Regel sein.

 Da wir insbesondere beim Lachsangeln, aber auch beim Fischen auf Meerforellen, immer mit großen Exemplaren rechnen wollen und müssen, ist ein stabiler Großfischkescher ein absolutes Muss! Denn den möglichen Traumfisch durch einen Kescherbruch oder wegen zu geringer Bogenweite des Keschers zu verlieren ist nicht nur ärgerlich sondern blöd! Der Kescher sollte aus leichtem Aluminium sein und gerne eine Bogenweite von 90 cm x 75 cm haben. Der Kescherstiel sollte je nach Bootstyp (also Höhe der Bootswand) mindestens eine Länge von 120 cm haben. Schwimmfähig sind die meisten Kescher auf dem Markt, die oftmals gepriesene Salzwasserfestigkeit ist bei den meisten Modellen wohl eher ein Wunsch als die Realität. Bewährt haben sich z.B. die Kescher von Ed Cumings.

Doch kommen wir zur "Landepraxis": 

Für die gesamte Crew gilt es, Ruhe zu bewahren und besonders bei mehrerer Personen an Bord möglichst vorher schon zu klären, wer welche Aufgabe übernimmt. Ganz klar: Der Mann oder die Frau an der Rute drillt und genießt. Die Restcrew räumt gegebenenfalls die übrigen Ruten und hält das Boot auf Kurs bzw. stoppt das Boot auf. Kommt der Fisch in Bootsnähe übernimmt ein Buddy den Kescher, der selbstverständlich schon vorher aufgebaut ist! Erst wenn der Fisch direkt am Boot ist, schiebt sich der Netzmann an dem Angler vorbei, und versucht sich klein zu machen, um dem Mann an der Rute nicht die Sicht im Drill zu versperren. Ob hinter dem Boot oder an der Seite gekeschert wird, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Hierbei spielt die Bootsform eine wichtige Rolle. Kommt man z.B. wegen des Motors oder den Downriggern hinter dem Heck schlecht ins Wasser, so bietet sich u.U. eine Landung an einer der Bootsseiten an. Teilweise bestimmt auch der Fisch, wo er (nicht) gekeschert werden will. Wir versuchen zuallererst den Fisch hinter dem Boot zu landen.

Der Frage, ob ein Fisch möglichst schnell ins Netz gebracht oder besser "ausgedrillt" werden sollte, wollen wir hier nicht näher nachgehen, weil so ein Drill und die Landung so individuell sind, dass man das nicht generell sagen kann. So kommt es vor, dass ein Fisch sich ohne Probleme in kurzer Zeit über das Netz führen lässt, quasi so, als hätte er den Drill verschlafen. Ein anders Mal macht der Fisch immer wieder ungeheure Fluchten und es bleibt einem nichts anderes übrig, als den Fisch langsam müde zu drillen. Das muss also von Mal zu Mal entschieden werden. Und hierbei ist wichtig: Nur der Angler selbst merkt, wie der Fisch im Wasser "tickt". Es bringt also herzlich wenig, wenn andere Crewmitglieder vermeintlich schlaue Ratschläge geben. Das verwirrt nur und macht nervös. Außerdem fördert es im Falle eines verlorenen Fisches nicht gerade die "posttraumatische" Stimmung an Bord. 

 Doch kommen wir zurück zur Landung: Diese bedarf einem Zusammenspiel zwischen Angler und Kescherführer. Beide sollten den Drill und die Bewegungen des Fisches ständig im Auge behalten - der Angler, um optimal auf mögliche Fluchten des Fisches reagieren zu können, der Kescherführer, um einen optimalen Moment zum Keschern zu finden. Wir halten es in der Regel so, dass die eigentliche Arbeit der Mann an der Rute macht. Das heißt, er führt den Fisch im richtigen Moment - diesen darf der Kescherführer gerne ansagen - über das Netz und erst dann kommt der Buddy zum Zuge und locht den Fisch ein. Hierzu ist es sinnvoll, den Kopf des Fisches leicht mit der Rute anzuheben. Das hat zum Einen den Vorteil, dass der Fisch außerhalb des Wassers die Orientierung verliert und sich dann meistens auf die Seite dreht und auch an der Oberfläche bleibt. Zum Anderen kann der Netzmann dann häufig sehen, wie der Haken im Fischmaul sitzt. Sitzt der Haken wohl möglich außerhalb des Mauls, so läuft man beim Keschern Gefahr, dass sich dieser im Netz verhakt und der Fisch nicht zur Landung in das Netz gleiten kann. Hierbei gehen wohl sehr viele gute Fische verloren. Dann heißt es, besondere Vorsicht walten zu lassen. Hebt der "Rodman" den Kopf des Fisches also leicht aus den Wasser, so gleitet der Fisch oft auf einer Seite an der Wasseroberfläche über das bereitstehende Netz.

 Kommen wir zu der Frage, ob der Fisch mit dem Kopf oder mit dem Hinterteil zuerst in den Kescher gleiten sollte. Antwort: Definitiv mit dem Kopf zuerst! Ein Fisch kann nicht rückwärts schwimmen und ist der Kopf im Kescher geht es eigentlich nur noch in eine Richtung. Es sei denn, der Fisch verhakt sich doch noch im Netz. So kann es auch passieren, dass das Netz zu früh und zu tief ins Wasser gelassen wird. Besonders dann, wenn das Boot sich noch in Schleppfahrt befindet, öffnet sich das Netz durch den Wasserdruck und der Fisch verhakt sich im Netz! Also sollte der Kescher erst ins Wasser gelassen werden, wenn der Fisch auch gelandet werden kann.

 Um ein zu frühes Öffnen des Keschernetzes zu verhindern gibt es zwei Möglichkeiten:

Einmal kann man am Kescherstiel ein Band befestigen, an dessen Ende ein Release-Clip hängt. Der Clip wird dann vor dem Keschern am unteren Netzboden eingehängt. Durch das Gewicht des Fisches beim Anheben des Keschers löst nun das Netz aus dem Clip aus und der Fisch gleitet ins Netz. Die Firma "Opti Tackle" aus den USA bietet hierzu speziell einen "Net Clip" an. Ein solcher ist aber auch leicht mit einem Planerboard-Clip selbst zu bauen. Eine andere Möglichkeit ist, ein Gummiband mit einer Schlaufe um den Kescherstiel zu legen und das andere Ende fest am Kescherboden einzuknoten. Nun wird mit einer Hand das Gummiband festgehalten und erst dann losgelassen, wenn das Netz sich unter dem Fisch öffnen soll. Das Gummiband gleitet an dem Stiel nach unten und das Netz öffnet sich.

Soviel zur Theorie.

Die Theorie zu kennen, ist sicherlich in der Praxis hilfreich. Das heißt aber noch lange nicht, dass dann auch alles gut gehen muss. Wie beim Angeln selbst, ist man auch beim Landen eines Fisches nicht vor Überraschungen sicher - aber das wäre auch langweilig! Viel Erfolg in der Praxis!

 
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