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Meerforelle

Meerforelle 

 Wissenschaftlicher Name: Salmo trutta trutta

 Klasse: Knochenfische (Osteichthyes)
 Ordnung: Lachsartige (Salmoniformes)
 Familie: Forellenfische (Salmonidae)
 Gattung: Lachse und Forellen (Salmo)
 Art: Forelle (Salmo trutta)
 Unterart:
 Meerforelle (Salmo trutta trutta)

 

Deutsche lokale Trivialnamen

Lachsforelle (fälschlich als Name zur besseren Vermarktung!), Strandlachs, Weißforelle, Trump, Silberlachs, Schwarzlachs, Möllitz, Breden, Sülberlaß

 
Ausland

Frankreich: Truite de mer
England: Seatrout
Niederlande: Zeeforel
Dänemark: Havørred
Norwegen: Sjøørret, Sjøaure
Spanien: Trucha marina
Italien: Salmo trota, Trota di mare
Schweden: Havsørring/Havslaxöring, Öring
Estland: Meriforell
Lettland: Taimins
Litauen: Slakys

Polen: Troc
Portugal: Truta marisca
Finnland: Taimen

Die Durchschnittsgrößen liegen bei 60 cm. Längen bis 130 cm und Gewichte bis zu 20 kg sind unter günstigen Lebensbedingungen möglich.

Max. veröff. Gewicht: 50,0 kg – max. veröff. Alter: 38 J. (Quelle: fishbase).

 
Allgemein 

Die Meerforelle ist mit dem Lachs nahe verwandt. Sie gilt als die Stammform von Bach- und Seeforelle. Wie der Lachs ist die Meerforelle ein anadromer Wanderer, sie wandert zur Fortpflanzung aus dem Meer die Ströme und Flüsse hinauf. Die Jungtiere verbringen ihre ersten Lebensjahre im Süßwasser, bevor sie ins Meer abwandern. Als erwachsener Fisch hält sich die Meerforelle in den küstennahen Gewässern von Nord- und Ostsee auf, wobei sie sich wohl näher zur Küste hin orientiert als der Lachs. Hier ernährt sie sich räuberisch von anderen Fischen. Bei guter Ernährung färbt sich das Fleisch der Meerforelle rötlich, ähnlich wie beim Lachs. Bach- und Meerforelle gelten als unterschiedliche Lebensraumtypen der gleichen Art, lassen sich dem entsprechend vom Äußeren her schwer unterscheiden. Sicherstes Merkmal einer erwachsenen Meerforelle ist der hohe Strontiumgehalt in ihren Schuppen. Im Meerwasser kommt Strontium in wesentlich höheren Konzentrationen vor als im Süßwasser.

 
Fortpflanzung 

Zur Fortpflanzung wandern die Meerforellen im Spätsommer aus dem Meer wieder in ihre Heimatgewässer zurück, wobei sie oft weiter aufwärts wandern als der Lachs. Bei dieser Wanderung können bis zu 1,5 m hohe Hindernisse übersprungen werden. Anfang November bis Ende Januar erreichen sie ihre Laichgebiete in den Oberläufen der Ströme und großen Flüsse. Hier schlägt das Weibchen mit ihrer Schwanzflosse flache Gruben in den kiesigen Untergrund. Die gelb- bis orangefarbenen Eier werden bei der Ablage in die Kieszwischenräume eingeschwemmt. Auf diese Weise laicht das Weibchen an mehreren Plätzen ab, wobei die Eier von mehreren Männchen befruchtet werden. Nach dem Laichstress sterben einige Elterntiere ab. Im Gegensatz zum Lachs erreicht ein großer Teil der Elterntiere wieder das Meer. Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Larven nach 80 - 210 Tagen. Ungefähr weitere 40 Tage ernähren sich die anfangs ca. 2 cm langen Larven von ihrem großen Dottersack. Die kleinen Meerforellen können nicht von Bachforellen unterschieden werden. Sie ernähren sich von Bodentieren und Anflugnahrung. Nach 2 - 3 Jahren wandern sie ins Meer ab. Hier werden sie nach 4 - 7 Jahren fortpflanzungsfähig.

 Anzahl Eier pro Weibchen: 5000 - 30.000
 Eigröße: 5,0 – 5,5 mm
 Fortpflanzungszeit: November -Januar
 Geschlechtsreife: 4. - 7. Jahr
 Tagesgrade: 400

 
Beschreibung der Lebenszyklen

Parr
Als Parr bezeichnet man Jungforellen oder Lachse die höchstens zwei Jahre alt sind und sich von den Smolts durch ihre „Parr – Zeichnung“ unterscheiden. Bei dieser Zeichnung handelt es sich um dunkle Streifen auf den Flanken.

Smolt
Als Smolt bezeichnet man junge Lachse oder Meerforellen auf ihrer ersten Reise ins Meer. In diesem Stadium sind die Fische meistens überaus silbrig.

Grönländer
Grönländer sind Fische die zum ersten Mal zum Laichen aufsteigen. Gewöhnlich haben diese zuvor eineinhalb bis zwei Jahre im Meer verbracht.

 
Bestimmungsmerkmale

Der Körper der Meerforelle ist gedrungener als der des Lachses, der Schwanzstiel ist etwas kürzer und dicker. Beim erwachsenen Tier ist der Rücken blaugrau gefärbt, die Seiten sind heller und haben einige dunkle Punkte, jedoch weniger als beim Lachs. Junge Meerforellen weisen eine ähnliche Färbung wie Bachforellen auf und können von diesen praktisch nicht unterschieden werden. Die Pflugscharbeinplatte ist im Gegensatz zu der des Lachses einreihig bezahnt. Wie auch beim Lachs verlängert sich zur Laichzeit der Unterkiefer des Männchens zu einem Laichhaken, jedoch weniger deutlich ausgeprägt. Die Laichfärbung ist kontrastreicher und nicht so auffällig wie beim Lachs. 

 Flossenstrahlen 
 Rückenflosse: 12 - 14
 Schwanzflosse: 19
 Brustflosse: 13 - 14
 Bauchflosse: 9
 Afterflosse: 11 - 12
 Fettflosse: vorhanden
 Anzahl Schuppen auf Seitenlinie: 105 - 130 Schuppen

 
Verbreitung in Europa

Küstennahe Gewässer des Atlantiks von Nordportugal bis zum Nordpolarmeer, um Island, Groß-Britannien und Südgrönland, im Schwarzen und im Kaspischen Meer.


Vorkommen in Deutschland

Ursprünglich war die Meerforelle über ganz Deutschland verbreitet mit Ausnahme des Donausystems. Zwischenzeitlich war sie in Deutschland vollständig verschollen. Im Gegensatz zum Lachs, der durch Besatzmaßnahmen gestützt wird, finden sich Meerforellen auch ohne solche Maßnahmen seit Anfang der 1990er Jahre wieder selten aber regelmäßig in einigen großen Flüssen ein.

 
Gefährdungsfaktoren
 
Wie auch der Lachs wurden die Bestände der Meerforelle durch Überfischung der Laichbestände stark reduziert. Zum vollständigen Erliegen der Populationen führte dann der Bau von Wehren und andere Querbauwerken Anfangs des 20. Jahrhunderts. Durch Stauhaltung verschlammten wichtige Laichgründe der Meerforellen, viele sind durch den Gewässerausbau zerstört worden. Auch die zunehmende Gewässerverschmutzung hat zum Rückgang der Art beigetragen.

 
Schutz

Inzwischen bemüht man sich verstärkt, Wanderfische wie Meerforelle oder Lachs wieder einzubürgern. Die Flüsse müssen wieder durchwanderbar werden, so dass die notwendigen überströmten kiesigen Laichgründe erreicht werden können.

 
Mindestmaße

Schleswig-Holstein: 40cm (Küfo S-H);

Mecklenburg Vorpommern: 45cm (KüFVO M-V);

Dänemark: 40 cm

 
Schonzeiten

Mecklenburg Vorpommern: 15. September bis 14. Dezember (KüFVO M-V);

Schleswig Holstein: 1.Oktober bis 31.Dezember* (Küfo S-H);

Dänemark: 16. November bis zum 15. Januar*

(*nur für gefärbte Fische im Laichkleid, silbrige Fische mit losen Schuppen sind von dieser Regelung ausgenommen siehe unten!)

 
Fischschonbezirke

Schleswig-Holstein: Fischschonbezirke gelten vom 1.Oktober bis zum 31.Dezember um Mündungen von Zuflüssen, die im Einzelnen durch Verbindungslinien von Eckpunkten begrenzt werden: sie liegen in einem Abstand von 200 m beiderseits der Mündung und von dort im rechten Winkel seewärts bis zu einem Abstand von 200 m zur Uferlinie. Die einzelnen Zuflüsse können und sollten der Landesverordnung über die Ausübung der Fischerei in den Küstengewässern (Schleswig-Holsteinische Küstenfischereiordnung - KüFO) entnommen werden.

Ganzjährige Schongebiete: Einmündung der Krusau in der Flensburger Förde mit einem Radius von 600m um die Mündung; Gebiet vor der Ausmündung der Schlei laut Schleswig-Holsteinischer Küstenfischereiordnung - KüFO  

Dänemark: Es gibt zwei Arten von Schongebieten: ganzjährige sowie saisonale: Ganzjährig geschont sind Wassereinläufe von über 2m Breite in einem Radius von 500m um den Einlauf. Vom 16. September bis zum 15. Januar sind Wassereinläufe, die unterhalb von 2m Breite liegen, in einem Radius von 500m um den Einlauf geschont. Dazu kommen noch Schongebiete, die als biologisch wichtig eingestuft werden und deshalb als Schutzzonen deklariert wurden/werden. Angler haben sich vor dem Fischen über Schongebiete zu informieren!

 
Andere Bestimmungen

In Dänemark ist ein Vertriebsverbot beschlossen. Dass heißt, dass Fische nur von registrierten Fischern und Nebenerwerbsfischern verkauft werden dürfen. Es ist verboten, innerhalb von 75m von ausgelegten Netzen und Reusen zu angeln. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine Fangbegrenzung von drei Fischen pro Tag.

 
Bestimmung der Art und des Zustandes 

Wichtig: um Schonzeiten und Mindestmaße einhalten zu können, müssen die Fische richtig bestimmt werden. Das mag sich banal anhören, kann im Einzelfall aber schwer sein, da Lachs und Meerforelle sich sehr ähnlich sind. Daher ist es wichtig, die Unterschiede der Arten zu kennen und darüber hinaus mit Sicherheit festzustellen, wann ein Fisch blank, wann gefärbt ist.

Die folgenden Erläuterungen hierzu sind dem Küstenknigge entnommen:

Blanke und gefärbte Fische

Blanke Fische sind solche, die ein silbern gefärbtes Schuppenkleid tragen und deren Schuppen lose sitzen. Lose Schuppen fallen in der Regel schon während des Drills oder der Landung ab. Fallen die Schuppen erst ab, wenn man vorsichtig mit dem Fingernagel gegen den Strich der Schuppen kratzt, so ist der Fisch als gefärbt einzustufen! 

 
Blanke Meerforellen 
 
 
Gefärbte Meerforellen (Quelle

Unter gefärbten Fischen versteht man solche, die sich im Laichkleid befinden und sich auf dem Weg zum oder vom Laichgeschäft befinden. Andere Umschreibungen dafür lauten „Braune“, „Absteiger“ und „Aufsteiger“.

Das Schuppenkleid dieser Fische sitzt fest und ist ins bräunliche gefärbt. Die Färbung ist, je nach dem Stadium indem sich die Fische befinden, sehr unterschiedlich. Sie reicht von nahezu Schwarz bis hin zum leichten Braun. Vor und während des Laichaufstieges nehmen die Fische den o. g. Farbton an. Nach dem Laichgeschäft bleiben sie meist noch eine Weile im Fluss und wandern dann, je nach Witterungsverhältnissen, wieder ins Meer ab. In der Regel bleiben die Fische nach dem Abstieg für ein paar Tage in der Nähe der Zuflüsse, aus denen sie abgestiegen sind, und akklimatisieren sich wieder im Salzwasser. Im Meer beginnen sie dann wieder zu fressen. Sie haben während der vergangen Strapazen fast alle Fettanteile verloren und deshalb ist der kulinarische Genuss auch nicht sonderlich hoch. Aus diesem Grund stürzen sie sich auf alles Fressbare was an ihnen vorbeischwimmt.

Es ist wirklich keine Kunst, gefärbte Fische von einem Köder zu überzeugen. Nach einiger Zeit im Meer verlieren die Fische allmählich den bräunlichen Farbton und bekommen wieder ein silbernes, lose sitzendes Schuppenkleid. Sie gewinnen an Kondition und fressen sich rund und prall. Dann sind es wieder blanke Fische auf die wir beim fischen hoffen.

Meerforelle, Lachs oder Steelhead?

Es ist nicht immer leicht, Meerforellen von Lachsen zu unterscheiden. Die Meerforelle hat im Gegensatz zum Lachs viele schwarze Punkte, auch unterhalb der Seitenlinie. Ist die Schwanzflosse eingekerbt und ist die Schwanzwurzel deutlich verjüngt (dünn), zappelt ein Lachs am Haken. Kratzt man sich verwundert am Kopf weil, irgendwie alles stimmt, hat man eine Kreuzung der beiden gelandet – Einen Hybriden. Nicht selten fängt man an der Küste auch Regenbogenforellen (lat.: Oncorhynchusmykiss). Auch sie werden im Meer silberblank (Steelhead). Sicheres Erkennungsmerkmal: Viele schwarze Punkte auch auf der Schwanzflosse ( diese fehlen bei Meerforelle und Lachs völlig ).

Zusammengefasst ist folgender Bestimmungsschlüssel zur Unterscheidung von Meerforelle und Lachs hilfreich:

  • Körperform: Die Meerforelle ist etwas plumper als der Lachs, der Schwanzstiel geht ziemlich breit in die Schwanzflosse über. Der Lachs wirkt eleganter, schlanker, der Schwanzstiel verjüngt sich erheblich
  • Schwanzflosse: Die Schwanzflosse der Meerforelle ist an ihrem Ende meistens gerade abgestutzt. Beim Lachs ist der Flossensaum konkav eingebuchtet. Die äußeren Flossenstrahlen sind nach hinten ausgezogen
  • Kiemendeckel-Form: Der Hinterrand der Kiemendeckel verläuft bei der Meerforelle leicht spitz zu, beim Lachs ist er mehr zu einer Rundung ausgebildet.
  • Punktierung: Die x-förmigen schwarzen Punkte bedecken die Meerforelle in größerer Zahl als beim Lachs. Auch gehen die Flecken bei der Meerforelle stets nach unten über die Seitenlinie hinaus, beim Lachs dagegen nur viel weniger.
  • Schnauzenlänge: Die Schnauzenlänge (Abstand Auge-Schnauzenspitze) beträgt bei der Meerforelle etwa soviel wie der doppelte Augendurchmesser; beim Lachs entspricht sie etwa dem dreifachen Augendurchmesser.
  • Schuppenreihen: Zwischen Fettflosse und der Seitenlinie besitzt die Meerforelle zwischen 13 und 19 Schuppenreihen, meist jedoch 15 bis 16. Der Lachs besitzt dagegen nur 11-15 Reihen, meistens jedoch 12 bis 13
  • Das Pflugscharbein (Vomer): Bei der Meerforelle ist es sowohl auf der Platte wie auch auf dem Stiel mit Zähnen besetzt. Beim Lachs sitzen diese Zähne nur auf dem Stiel. Bei alten Meerforellen fallen die Zähne häufig aus; man beachte die zurückbleibenden Zahngruben.
  • Reusendornen: Die Reusendornen sind bei der Meerforelle auf dem ersten Kiemenbogen nur in der Mitte konisch, zum Rand hin wirken die Dornen höcker- oder warzenförmig, fast verkrüppelt. Beim Lachs sind die Reusendornen des ersten Kiemenbogens dagegen beinahe alle sehr gut konisch und spitz zulaufend entwickelt.

 
Kiemenreusendornen bei Meerforelle und Lachs (Quelle)
 

Das Jahr der Meerforelle aus Sicht des Anglers

Es gibt mehrere Faktoren, die das Leben und Verhalten der Meerforelle entlang der Küste bestimmen. Faktoren, die zur Lokalisierung der Fische benutzt werden können. Die beiden wichtigsten sind Nahrung und die physischen Verhältnisse. Dort wo Nahrung ist, findet man die Meerforelle - sie ist ja schließlich nur ins Meer gewandert um sich größer zu fressen, als sie es in ihrem engen Geburtswasserlauf hätte tun können.

Es ist deshalb wichtig, das Leben im seichten Küstengewässer im Auge zu behalten. Wimmelt es an einer Stelle mit Kleinfischen, Krebstierchen oder Ringelwürmern, gibt es mehr als gute Chancen auch die Meerforelle anzutreffen! Ist das Küstengewässer jedoch frei von Kleintierchen, ist die Meerforelle sicher anderswo hingezogen und der Angler muss ihr folgen!

Fjordforellen und Heringsfresser

In den größeren Fjordgebieten (und hiermit sind alle Bereiche die Innenküstengebiete gemeint – so z.B. Förden, Buchten, Bodden etc.) wird man häufig eine Forellenart antreffen, die nicht ganz dem Jahr der Meerforelle folgt. Hier ist die Rede von der so genannten Fjordforelle, einer Art Standfisch, mit festem Aufenthalt im Fjord das ganze Jahr hindurch. Oftmals wird sie nicht ganz blank, sondern hat das ganze Jahr einen goldenen Schimmer. Manchmal trifft man sogar auf Fjordforellen, bei denen einzelne rote Punkte des Jugendstadiums noch erhalten sind. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass Bach-, See,- und Meerforellen der gleichen Gattung angehören, aber an unterschiedlichen Orten angesiedelt sind. Diese Fjordforellen haben die relativ kleinen Lebewesen, die die Fjorde zu bieten haben, als Lebensgrundlage.

Es gibt jedoch auch die so genannten Heringsfresser, deren Beutetiere nicht groß genug werden können. Wenn der junge Fisch aus dem Wasserlauf kommt, um zu einer großen Meerforelle heranzuwachsen, bleibt er am Anfang im seichten Wasser direkt unterhalb der Küste. Hier bilden die relativ kleinen Lebewesen, wie bei der Fjordforelle, die Nahrungsgrundlage. Wenn er jedoch eine Größe von vielleicht 3-4 Pfund erreicht hat, können die kleinen Beutetiere seinen immer größer werdenden Magen nicht füllen. Dies ist der Zeitpunkt, an dem er anfängt sich nach größeren Beutetieren umzusehen. Für gewöhnlich zieht die blanke Meerforelle jetzt in Gebiete mit tieferem Wasser, wo sie sich zu einem Herings- oder Sprottenschwarm gesellt, der zur regelmäßigen Nahrungsquelle wird. Die Forelle ist jetzt ein richtiger Heringsfresser geworden, und zieht es vor, ihren Magen mit weniger aber dafür umso größere Happen zu füllen. Da sie sich weit draußen im tiefen Wasser aufhält, wird diese Forelle jetzt immer seltener von Küstenanglern gesehen und der Bootangler hat quasi das Alleinrecht auf sie. Um sie zu fangen sind größere Köder und kräftigere Geräte als bei den kleineren Artgenossen an der Küste erfordert. Das Schleppfischen ist hierbei die wohl erfolgreichste Angelmethode. Auf den Punkt gebracht, benimmt sich die Meerforelle, die Heringe als Nahrungsgrundlage hat, jetzt wie ein Lachs. Sie legt große Strecken zurück und wächst rasch. Meerforellen in der Größenordnung 5-10 kg sind keine Seltenheit in Begleitung der Herings-, Sprotten-, oder Sandaalschwärme. 

 
 

Doch kommen wir nun zum Jahresgang der Meerforelle.

Frühling

Anfang des Frühlings fängt die Frühjahrswanderung von den Süß- oder Brackwassergebieten zum offenen Meer an. Der genaue Zeitpunkt dieser Wanderung hängt von Klima und Ortslage ab. Es sind Faktoren wie Temperatur und Salzgehalt, die die Wanderungen des Fisches bestimmen. Ist der Winter mild oder das Wasser brach, kann die Wanderung aus dem Wasserlauf oder dem Binnenfjord heraus Anfang des Jahres stattfinden. Das Entgegengesetzte gilt bei kalten Wintern oder bei Gebieten mit hohem Salzgehalt. In diesen Fällen kann die Auswanderung weitaus später im Jahr, typisch März - April, stattfinden. Kommt der Frühling plötzlich, ist die Auswanderung hektisch und von kurzer Dauer, ist das Entgegengesetzte der Fall, zieht sie sich über einen längeren Zeitraum hinweg. War der Winter lang und kalt und gab es Eisbildung in den Fjorden, wird man im Zeitraum unmittelbar nach dem Eisgang oft ein phantastisches Angeln erleben. Die Fische versammeln sich dann im Inneren der Fjorde und sind sehr hungrig. Die Auswahl an Nahrung ist gleichzeitig sehr gering im kalten Wasser. War der Winter jedoch sehr mild sind die Fische an der offenen Küste verteilt, wo sie weitaus schwieriger zu finden sind als im unteren Teil des Fjordes.

Nach dem Ablaichen zieht die Meerforelle hinaus zu den reichen Speisekammern der Küste, wo sie das verlorene Gewicht schnell wieder zunimmt. Die mageren und abgelaichten Fische werden oft von einer anderen Sorte Meerforelle, den so genannten Grönländern, begleitet. Diese kleinen nicht geschlechtsreifen Meerforellen sind ins Brackgewässer oder in den unteren Teil der Wasserläufe gezogen um zu überwintern. Diese nicht abgemagerten, blanken und überwiegend weiblichen Fische sind leider oftmals untermaßig und müssen deshalb zurückgesetzt werden.

Die von Meerforellen unbeliebte Kombination von hohem Salzgehalt und niedrigen Wassertemperaturen hat sie dazu bewogen Brackwasser oder sogar Süßwasser aufzusuchen. Auch die kleinen Grönländer und die großen abgelaichten Fische mögen diese Kombination nicht. Wenn die Temperatur fällt, müssen sie deshalb Gewässer mit geringerem Salzgehalt aufsuchen. Beide Kategorien ziehen bei steigenden Wassertemperaturen hinaus zum salzigeren, offenen Meer und haben dabei nur die großen Vorkommnisse von Ringelwürmern, Krebstieren und Kleinfischen im Kopf. Den ganzen Frühling schlemmen die Meerforellen erst Ringelwürmer, später Krabben, die auf Wanderung sind, laichende Heringsschwärme und vieles andere mehr.

Sommer

Parallel zu den steigenden Wassertemperaturen steigt auch die Salztoleranz der Forelle. Im Sommer jagt die Meerforelle aktiv in sogar ozeanischem Salzwasser mit einem Salzgehalt von 35 Promille. Die Wassertemperatur kann jedoch auch an der Küste zu hoch werden. Wenn das Wasser sich einer Temperatur von 20C nähert, zieht die Meerforelle hinaus auf das tiefere und kühlere Wasser des Meeres. Dieses geschieht typisch im Juli, der das Kommen des Sommers markiert. Die Monate Mai und Juni bieten noch gutes Meerforellenangeln, speziell wenn man die hellen Nächte nutzt.

Da die Meerforelle weiß, dass das niedrige Küstengewässer immer noch sehr nahrungsreich ist, kommt sie im Schutze der Dunkelheit unter die Küste. Hier kann sie dann in aller Ruhe Nahrung aufnehmen, bis die Sonne wieder aufgeht und dadurch das Wasser zu sehr aufgewärmt wird. Wenn man also in der Sommerwärme Meerforellen angeln will, muss dies in den dunkelsten Stunden des Tages geschehen. Steht Ihnen ein Boot zur Verfügung, kann man sie Tagsüber auf tieferem Wasser finden, wo sie jedoch meistens still steht und verdaut. Sie ist also am leichtesten zu fangen während der nächtlichen Nahrungszüge Richtung Land. Benutzen Sie einen Köder, den Sie hoch in der Wasseroberfläche einholen können. So können die Fische ihn am besten sehen.

Während der Tagesstunden, kann man sie jedoch auch an Stellen finden, an denen tiefes strömungsreiches Wasser bis unter Land reicht. Einzige Voraussetzung ist jedoch eine niedrige Wassertemperatur, weshalb ein Thermometer in der Angeltasche von Vorteil ist.

Herbst

Frühjahr und Sommer hat die Meerforelle dazu benutzt ihr Gewicht zu vergrößern, damit sie die strapazierende Laichwanderung des Herbstes und den Aufbau von Rogen und Milch überstehen kann. Die Herbstwanderung fängt meistens mit der ersten Schlechtwetterperiode im August-September an. Die Fische spüren sofort, dass der Herbst und damit die Laichwanderung nahen. 

 (Quelle)

Die ganz großen Fische wandern meistens schon im Mai-Juni hinauf in die größeren Wasserläufe. Die kleineren Fische, also der Großteil, bleibt noch ein paar Monate in der Speisekammer des Meeres. Diese kleineren Fische beginnen im Spätsommer oder im frühen Herbst ihre Wanderung zurück zu dem Wasserlauf, aus dem sie stammen.

Meistens sind es gemeinsame Wanderungen von schwach gefärbten Fischen, die 3-6 Pfund wiegen und von sowohl männlichem als auch weiblichem Geschlecht sind, die vielleicht schon Paare gebildet haben. Stößt man auf eine solche Gruppe, kann man das beste Angeln des Jahres erleben, mit mehreren gefangenen Fischen innerhalb kürzester Zeit.

Man darf nicht vor schlechtem Wetter mit Wind und Regen zurückschrecken, wenn es um das Angeln nach diesen Laichwanderern geht. Bei gutem Wetter sind die wohlgenährten Fische schwer zu locken, ein solider Herbststurm kann sie jedoch dazu bringen, sich über alles zu stürzen, was ihnen in den Weg kommt.

Oft fängt man diese schwach gefärbten Laichwanderer an genau den gleichen Stellen, wo man am Frühlingsanfang die Fische, die nach dem Ablaichen auf dem Weg hinaus ins Meer waren, gefangen hat. Oft lohnt es sich während der Nacht gezielt nach diesen Fischen zu angeln, da sie zu dieser Zeit am aktivsten sind.

Winter

Wenn sämtliche geschlechtsreife Meerforellen die Wasserläufe hinaufgewandert sind um zu laichen, stößt man noch immer auf blanke, nicht geschlechtsreife Fische in Meer und Fjord. Hier kann es sich um Grönländer handeln, oder um Überspringer, die aus unersichtlichen Gründen dieses Jahr nicht laichen. Dies ist eine Reserve der Natur, falls im Süßwassergebiet etwas schief gehen sollte.

Die blanken, nicht geschlechtsreifen Fische nehmen im Salzwassergebiet Nahrung auf, so lange diese noch ausreichend vorhanden ist. Bei fallenden Wassertemperaturen begeben sie sich vom offenen Meer jedoch in die Richtung weniger salzhaltigeren Wassers in den geschlossenen Fjordgebieten, wo Wasserläufe den Salzgehalt des Wassers vermindern. Die Fische fressen immer noch, jedoch parallel zu fallenden Temperaturen wird ihr Stoffwechsel und damit der Bedarf an Nahrung geringer. Für den Angler wird es immer schwieriger, die Fische zu Überlisten.

Es ist sehr schwer, den Zusammenhang zwischen Wassertemperatur und der Fresslust der Meerforelle zu verallgemeinern, zumal der Salzgehalt des Wassers auch in Betracht gezogen werden muss. Will man doch eine Faustregel aufstellen, sollte man Wasser mit einem hohen Salzgehalt meiden, wenn die Temperatur unterhalb 5C liegt. Liegt die Wassertemperatur zwischen 5C und 15C geht es der Meerforelle vorzüglich, egal wie hoch der Salzgehalt ist.

 (Quelle)

Im Winter findet man in der Regel keine einzige Meerforelle in den offenen und salzhaltigen Gewässern. Sie sind entweder die Wasserläufe hoch gewandert, um zu laichen, oder befinden sich im Inneren der Fjordgebiete um dort zu überwintern. Hier finden wir sie auch im Frühling, wenn das Eis aufbricht und Hunger und Jagdlust täglich mit den steigenden Wassertemperaturen steigt.

Wie erwartet ist das Angeln jetzt um die Mittagszeit von warmen und sonnigen Tagen, an denen alles nach der Winterpause wieder auflebt, am besten. Das niedrige Wasser des Fjordinneren erwärmt sich schneller als das Wasser an der offenen Küste.

Wenn die Frühjahrswanderungen die Fische auf einem großen Gebiet verteilt haben, sind sie jedoch wieder schwieriger zu finden. Im Gegenzug hat die zunehmende Sommerwärme die Überwinterungsorte im Inneren der Fjorde in trübe Schlammpfützen mit wiederholten Bodenveränderungen verwandelt, die von Fischen und Anglern gemieden werden. Das Jahr der Meerforelle ist vorbei und ein Neues kann beginnen.

 

Die größte aller Meerforellen

Während sich die Suche nach dem größten Atlantischen Lachs relativ einfach gestaltete, da die IGFA dazu einen offiziellen Rekord in Ihren Listen führt, ist die Recherche nach der größten Meerforelle etwas schwieriger gewesen. Gefunden haben wir sie dann aber doch - in Argentinien.

Im Netz geistern viele Berichte von der größten jemals mit der Angel gefangenen Meerforelle herum. Einmal ist es ein Fisch von über 15 kg, der in Schweden gefangen wurde, ein anderes Mal ist es ein Fisch ähnlicher Größe aus Dänemark. Dann taucht hier und da ein Fisch von über 18 kg aus Polen auf.

Fälschlicher Weise wird auch oft der von der IGFA geführte "Weltrekord" für Brown Trouts mit einem Fisch von 18,25 kg aus dem Little Red River in Arkansas (USA) auf die "Sea Trout" übertragen, da es in Nordamerika keine meerwandernden Meerforellen gibt. Ziemlich verwirrt von dem Reichtum an verschiedenen Großfischen, die durch das Internet schwimmen, habe ich mich an Heinz Machacek, den Herausgeber der hervorragenden Seite www.fishing-worldrecords.com gewandt. Er nennt auf seiner Seite eine Meerforelle mit einem Gewicht von sage und schreibe 22,23 kg! Dieser Fisch wurde in den 90er Jahren im argentinischen Rio Grande gefangen. Als Quelle wird dazu ein Bericht vom Blinker- und Fliegenfischen-Autor Olivier Portrat genannt. Portrat, bekannt für seine sehr sorgfältigen Recherchen, beschreibt in diesem Bericht, den Rio Grande als den besten Meerforellenfluss der Welt, der noch stetig besser zu werden scheint.

Machacek schreibt zudem, dass es bei den Rekordfischen Probleme geben kann. So machen die strengen IGFA Regeln ein Catch & Release unmöglich. Da aber in vielen Flüssen, so auch im Rio Grande, alle Rekordfische wieder zurück gesetzt werden, werden viele Fische gar nicht erst gemeldet. Bei den gemeldeten Fischen kommt es dann auch noch auf die Eichung bzw. die Genauigkeit der Handwaage des Fängers an. Sollte auch die Waage des Fängers nicht genau gewesen sein, so kann man doch von einem Rekordfisch von ca. 22 kg ausgehen - was ein Tier!

Machacek führt weiter aus, dass die nächstgrößeren bekannten Exemplare aus der Ostsee stammen. Dieses sind Fische zwischen 19 und 20 kg, gefangen von Berufsfischern. Die größte sportlich gefangene Meerforelle, die nicht aus dem Rio Grande stammt, wog laut Machacek 18 kg. Es handelt sich um den polnischen Rekord, gefangen in der Parseta.

Quelle: Heinz Machacek
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www.fishing-worldrecords.com

Letzte Aktualisierung ( Monday, 17. September 2007 )
 
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